Die Schönheit vom Unperfekten und Vergänglichen

"Wie kann man ein Buch über nur ein Wort schreiben?" Das hat mich eine Freundin aus Japan gefragt, als ich ihr am Telefon vom Buch Ikigai erzählt habe. Ein paar Wochen später, ich hatte gerade das Buch Wabi Sabi in den Händen, eine ähnliche Reaktion. Was für Menschen in Japan oft ganz natürlich ist, ist für uns etwas bewundernswertes, interessantes und wir können sogar Bücher darüber lesen. Am Ende haben wir möglicherweise nur eine Idee einer Antwort, denn ganz genau beschreiben kann diese Vielfalt und das individuelle Empfinden hinter diesen Worten wahrscheinlich niemand. Im Buch Wabi Sabi versucht Beth Kempton etwas, wie sie sagt, schwer definierbares zu beschreiben. Denn für Wabi Sabi eine Definitin zu finden sei ein schwieriges Unterfangen. Also hat sie es aus ihrer Sicht und mit ihren Gefühlen beschrieben und dabei Bezug zu Menschen und Situationen in Japan genommen. Ja, wie bei so vielem müsse man es selber erleben, um zu wissen worum es dabei geht. Und nun kommt vielleicht ein kleiner Dämpfer in der ganzen Japan-Romantik... Denn viele Dinge finden sich auch bei uns wieder, wenn auch weniger trendy. Es ist vielleicht ähnlich wie bei den trendigen Chia-Samen und eher langweiligen Leinsamen die ja sehr ähnlich sind... Viele Ansätze und Gedanken zu einem perfekt unperfekten Leben finden sich beispielsweise im Genusstraining wieder.  Die schönen und genussvollen Dinge sind vergänglich und manchmal sogar unperfekt. In unserem Leben erleben wir so viel ganz normales, alltägliches das uns Freude bereiten kann. Aber! dafür müssen wir bereit sein. Wir müssen unseren Sinnen und uns selber die Möglichkeit geben zu erleben. Das tun wir mit Zeit, Ruhe, Aufmerksamkeit und Offenheit. Zeit für uns, in der wir nichts müssen aber das tun dürfen was uns Freude, Genuss, Entspannung oder eine positive Anspannung  bereitet - sei es auch nur für ein paar Sekunden oder Minuten. Im Lärm und der Hektik unseres Alltags ist es schwierig die Feinheiten wahrzunehmen die uns gut tun. Deshalb sollten wir für Ruhe sorgen. Ruhe um uns (Bsp. Handy und TV aus), Ruhe um Kopf (mit kleinen Achtsamkeitsübungen, weniger oder priorisierte Pendenzen, etc.) kann eine grosse Hilfe sein, sich zwischendurch auf die kleinen und schönen Dinge zu konzentrieren. Wissen Sie noch wie es war, als Sie ein Kind waren... diese Neugier, die Freude und das Interesse an den auch noch so alltäglichen Dingen - ja, mit dieser Aufmerksamkeit und Offenheit könnten wir wieder vermehrt durch die Welt gehen. In unserer kindlichen Neugier entdecken wir die wundervollsten und eifachsten Dinge und Momente (wieder).

Natürlich, mir hat das Buch Wabi Sabi sehr gut gefallen und es beschreibt auch mehr als nur Genuss. Das Geniessen und Schätzen des Kleinen ist ein Teil davon, dafür müssen wir aber nicht ins Flugzeug steigen und auch keine Bücher lesen. Es reicht sich an dem zu freuen, was uns jeden Tag begegnet. Ein frischer, sanfter Windstoss, das Rauschen der Aare, ein Schluck Kaffee, eine spontane, erfüllende Begegnung mit einem Menschen oder was Ihnen gerade gut tut.

Buch:

Beth Kempton, Wabi Sabi, Die japanische Weisheit für ein perfekt unperfektes Leben

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